• jomana.markau

Hostel-Work und Must-Sees auf Malta

Nachdem ich mich länger als ursprünglich geplant in Italien aufgehalten hatte, war es an der Zeit für mich neue Wege zu gehen. Ich wollte Italien verlassen und ein neues Land entdecken. Nach mehreren Monaten Landleben war es mal wieder an der Zeit für ein bisschen Abwechslung und ich hatte richtig Lust auf ein bisschen Großstadtflair, Menschen und Parties. Zumindest für kurze Zeit.

Die naheliegendste Option (im wahrsten Sinne des Wortes) für meine weitere Reise war Malta. Eine kleine Insel, die gerade mal 100 km südlich von Italien entfernt liegt und ideal mit der Fähre von Sizilien aus zu erreichen ist. Ich schaute mich nach einer Freiwilligenarbeit in der Hauptstadt Valletta um und wurde fündig. Ein kleines Hostel benötigte für drei Wochen Unterstützung, um Gäste ein- und aus zu checken, Betten zu machen und generelles Säubern. Passt. Ich wollte schließlich unter Menschen kommen und dafür war ein Hostel optimal. Bereits am zweiten Abend schloss ich mich einer Gruppe von Hostelgästen an, die auf Malta nur eines im Sinn hatten: Party, Party, Party!

Die Party-Hostel-People.

Das kam mir sehr gelegen und so zogen wir gemeinsam auf der Partymeile um die Häuser. Sie befindet sich im Bezirk San Giljan, wo sich Club an Club reiht.

Es eignet sich also hervorragend zum Partyhopping, zumal der Eintritt in jeden Club frei ist. Malteser sucht man hier jedoch vergeblich - es schien als würden sich besonders Engländer, Deutsche und Belgier in diesem Viertel heimisch fühlen.


Da ich im Hostel nur drei Stunden am Tag an fünf Tagen der Woche arbeiten musste, blieb genug Zeit für Erkundungstouren. Malta ist schließlich mit einer Größe von 246 Quadratkilometern und einer Länge von 28 Kilometern sehr überschaubar. Man gelangt also super schnell von A nach B - vor allem durch den sehr gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Allerdings muss man einen starken Magen haben, da die schwungvolle Fahrweise der Busfahrer einem des öfteren den nächsten Busstop herbeisehnen lässt. Ich hatte bei der Planung meiner kleinen Ausflüge wirklich die Qual der Wahl, da Malta super viele, schöne Spots hat. Von wunderschönen Wanderwegen über historische Städte bis hin zu kleinen Inseln. Ein guter Mix, wie ich finde. Für besonders Wanderwütige sei gesagt, dass ein Küstentrail um die gesamte Insel herumführt und Malta zu Fuß zu umrunden ist. Das war für ganz kurze Zeit sogar mein Backup-Plan, für den Fall, dass mein Host in letzter Minute abspringen sollte. Dieses abenteuerliche Erlebnis blieb mir schließlich doch erspart.


Hier eine kleine Auswahl an Spots und Touren, die zu meinen persönlichen Favourites gehören und ich jedem, der nach Malta reist, ans Herz legen kann:


 
Wandern

Popeye Village nach Qarraba Bay


Länge: ca. 6 km


Wenn man auf Malta ist, gehört diese Route auf jeden Fall zu den Must-Do’s. Der Startpunkt Popeye Village ist eigentlich ein kleiner Freizeitpark, der in die Felsenwand an der Nordseite der Insel hineingebaut wurde. Der Freizeitpark wurde im Stil einer alten Piratenstadt errichtet und ist daher super nett anzusehen. Den Eintritt in den Freizeitpark kann man sich jedoch sparen, außer man hat kleine Kinder dabei - die finden es dort sicherlich toll. Sehr empfehlenswert ist jedoch der Popeye Village Viewpoint, von welchem man einen mega schönen Ausblick auf den Freizeitpark hat und wo man die Wandertour starten kann. Vom Viewpoint aus läuft man stetig entlang des Küstentrails - Felsen fallen rechterhand schroff herab und bieten einen einmaligen Anblick. Nach gut fünf Kilometern erreicht man einen Strand namens Għajn Tuffieħa. Dieser ist zwar auch sehr schön, aber dennoch empfehle ich den Strand zu skippen und 500 Meter weiter zu laufen. Denn da wartet das eigentliche Highlight der Wanderung: die Clay Cliffs bei Qarraba Bay.



Mellieha nach Xemxija


Länge: ca. 6 km


Nach einer Schicht im Hostel wollte ich eine kleine Wandertour machen und habe willkürlich bei Maps me, einer Wander-App, nach Routen gesucht, die mit dem Bus gut erreichbar sind. Und tadaaa…diese individuelle Route abseits der Touri-Pfade kam dabei heraus. Da ich absolut ohne Erwartungshaltung mit dem Bus zu meinem Startpunkt nach Mellieha fuhr, wurde ich absolut positiv überrascht. Schlängelige Pfade entlang der Küste, kristallblaues Wasser, geschwungene Felsformationen, duftende Rosmarinbüsche und mit ein bisschen Glück: strahlender Sonnenschein. Schließlich folgt man dem Pfad bis zur nächsten Stadt Xemxija, wo man ganz easy direkt die nächste Bushaltestelle findet und zurück nach Valletta fahren kann. Diese Tour hat mich von all meinen Erkundungstouren am meisten überrascht und ist absolut zu 100% zu empfehlen.



Gozo Island


Wer am Ende seiner Maltareise sagen möchte, dass er die volle Malta Experience hatte, der sollte auf jeden Fall die kleine Nebeninsel Gozo nicht aussparen. Gozo gehört, wie eine weitere kleine Insel namens Comino, zu Malta dazu und zusammen bilden sie das maltesische Dreiergespann. Beide Nebeninseln sind per Fähre zu erreichen, die ca. alle halbe Stunde von der Hauptinsel ablegt. Der Ausflug nach Gozo lohnt sich vor allem für alle Feinschmecker, denn die Insel ist bekannt für ihren einmaligen, regionalen Käse: den Gozo Cheese. Der Geschmack erinnert an einen sehr sehr trockenen Ziegenkäse - man weiß erst nicht, ob’s taugt, aber irgendwie ist’s mega gut! Ein Sandwich mit Gozo Cheese kann man direkt beim Fähranlegeort kaufen und mit auf die Wanderung nehmen. Ich selbst habe zwei Wanderungen auf Gozo gemacht, von denen mich eine besonders überzeugt hat. Bei rund zwei Kilometern Gesamtlänge ist es jedoch vielmehr ein Abstecher als eine Wanderroute. Der Startpunkt liegt bei einem sehr schönen Sandstrand namens Ramla Bay, wo man auch hervorragend einen entspannten Strandtag verbringen kann. Sandstrände sind auf Malta eher rar, da man vielmehr mit felsigen Buchten vorlieb nehmen muss. Von Ramla Bay führt wieder einmal ein schöner Pfad entlang der Küste, bis man eine rechte Abzweigung nehmen muss, um etwa 20 Minuten zu einer Felsenhöhle hinaufzuwandern. Achtung: dort oben ist es so stürmisch, wie in einem Windkanal, sodass es einem fast das T-Shirt auszieht - kein Witz. Also Leute, lasst die Röcke für diesen Ausflug lieber zu Hause - sonst genießen alle Anderen nicht nur den hervorragenden Ausblick auf die Landschaft, den man von dem Cave aus hat.


 
Städte

Valletta


Hach ja, das schöne Valletta. Wo soll man hier nur anfangen? Die im 16. Jahrhundert gegründete Stadt mit der steinernen Stadtmauer bietet bereits von außerhalb einen mächtig beeindruckenden Anblick. Der beste Blick auf Valletta und somit auch der beste Fotospot ist definitiv von der Fähre aus. Mehrmals täglich schippern Fähren von Sliema nach Valetta. Hierbei muss man wissen, dass Valetta auf einer Art Halbinsel oder Inselzipfel gebaut ist und somit tatsächlich per Fähre von Sliema am besten zu erreichen ist. Wer nicht nur für die 15-minütige Fährfahrt das Panorama bestaunen will, dem empfehle ich einen kleinen Spaziergang auf die Halbinsel Manoel Island. Einfach bis vor an die Spitze laufen - dort hat man auch einen überragenden Ausblick auf das Panorama der Hauptstadt. In Valletta selbst kann ich besonders empfehlen sich einfach durch die kleinen, stufigen Gässchen treiben zu lassen. Mich hat die einzigartige Architektur mit den kleinen, bunten Balkonen jedenfalls verzaubert. Hinter jeder Ecke lag ein weiteres Highlight. Wer auch in Valletta nicht auf eine kleine Wanderung verzichten möchte, dem kann ich die Route außerhalb der Stadtmauer empfehlen, die nochmal eine ganz andere Perspektive auf die Stadt ermöglicht. Die Route ist auch bei Maps me zu finden und ist ca. 1,5 km lang. Um den Abend in echter maltesischer Manier ausklingen zu lassen, der sollte sich ein gekühltes Cisk, also ein maltesisches Bier, schnappen und sich damit in den Upper Barracca Garden auf die Stadtmauer setzen. Den Sonnenuntergang von hier aus zu genießen ist eigentlich Pflichtprogramm. Allerdings wäre Schwindelfreiheit von Vorteil.



Mdina


Die ehemalige Hauptstadt Maltas thront still und idyllisch auf einem Hügel. Wo in vergangenen Tagen Briten oder Römer in weniger friedlicher Absicht das hübsche Städtchen belagerten, so sind es heute vielmehr die Touri-Briten in ihren trendigen Römersandalen, die man hier entlangflanieren sieht. Ja, Mdina ist sehr beliebt unter den Touristen. Besonders in der Hochsaison, so wurde mir berichtet, wird Malta von Touristen überrannt. Weshalb es die entspannteste Option ist die Insel im Frühjahr oder Herbst zu bereisen. Aber zurück zu Mdina: die Stadt ist mit ihrem sehr gut erhaltenen, alten Gemäuer wirklich schön anzusehen. Gepflasterte Gässchen, schwere Holztüren, stuckverzierte Gebäude und verwinkelte Gassen - nicht umsonst ist Mdina mit ihrer mittelalterliche Kulisse als einer der Drehorte für die Serie Game of Thrones auserkoren worden.

Marsaxxlok


Auf das Hafenstädtchen mit dem unaussprechbaren Namen Marsaxxlok stößt man unweigerlich bei seiner Recherche nach tollen Reise-Spots auf Malta. Besonders bekannt ist der Ort für seinen sonntäglichen Fischmarkt, wo man auch allerlei Souvenirs findet. Auch wenn ich kein großer Fisch-Fan bin wollte ich mir das Spektakel ansehen, denn in allen Beschreibungen klang der Markt recht süß und beschaulich. Ich hob mir den Ausflug sogar für meinen allerletzten Tag auf Malta auf, da ich überzeugt war: es kann nur gut werden! So viel vorweg: von süß und beschaulich war mein Ausflug nach Marsaxxlok weit entfernt. Soweit war ich vom öffentlichen Nahverkehr in Malta positiv angetan. Meine Reise (ja, man kann es wirklich Reise nennen) von Valletta nach Marsaxxlok war hingegen ein Disaster. Geschlagenen drei Stunden brauchte ich für schlappe 11 km mit dem Bus. Warum? Anscheinend wollte jeder einzelne Tourist an diesem Tag zum bekannten Fischmarkt, sodass die Busse bis zum Anschlag voll waren und einfach ungebremst an jeder Haltestelle vorbeifuhren. Inklusive meiner Haltestelle. Ich schloss mich spontan einer Gruppe verzweifelter Touristen an, die dasselbe Problem hatten, wie ich und die sich durch fünffaches Umsteigen nach Marsaxxlok durchschlagen wollten. Naja, Zeit hatte ich immerhin und ich ging nach wie vor davon aus, dass sich mein aufwendiges Unterfangen lohnen würde. Drei Stunden, inklusive eines zwei Kilometer langen Fußmarsches, später erreichte unsere kleine Reisegruppe das Ziel. Surprise, Surprise: der Markt war rappelvoll mit Touristen, sodass man vielmehr durchgeschoben wurde. Spaß machte das ganze auf jeden Fall nicht und nach zehn Minuten gab ich mich geschlagen und trat meine Rückreise nach Valletta an. Marsaxxlok ist sicherlich in der Nebensaison schön anzuschauen, wobei ich selbst im März niemals mit so einen Run auf das Hafenstädtchen gerechnet hätte. Darum kann ich nur jedem raten, der in der Hauptsaison nach Malta reist, von einem Abstecher nach Marsaxxlok abzusehen und stattdessen eine der schönen Wanderrouten Maltas zu erkunden.


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