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  • Autorenbildjomana.markau

Das Surf und Party Hostel auf Sri Lanka

Aktualisiert: 3. Feb. 2023

Seit knapp einem Jahr bin ich nun bereits unterwegs. Bisheriger Reiseradius: Europa. Mein großer Traum: Neuseeland. Das Land hat nach gut zwei Jahren Einreisebeschränkungen die Grenzen wieder geöffnet. Backpacker sind wieder willkommen und am liebsten hätte ich mich sofort in den Flieger gesetzt. Gleichzeitig wollte ich mich langsam an Neuseeland herantasten und nicht von 0 auf 100 den großen Sprung von Deutschland ans andere Ende der Welt machen. Also schaute ich bei Google Maps nach einem Ziel, welches etwa auf halber Strecke lag. Mir fiel sofort Sri Lanka ins Auge. Sowohl einige meiner Freunde als auch meine Eltern waren bereits auf die Insel im Indischen Ozean gereist. Das Feedback war teilweise positiv, teilweise negativ, also eher durchwachsen. Ich war leicht verunsichert, ob das der erste Stop außerhalb Europas sein sollte. Zumal ich kein großer Fan von Indien bin, Sri Lanka jedoch durch die geografische Lage einen sehr starken indischen Einfluss hat. Würde Sri Lanka genauso trubelig und unsicher sein, wie man es aus indischen Filmen und Erzählungen kennt? Ich warf einen Blick auf die Seite des Auswärtigen Amtes, um zu schauen, wie die aktuelle innenpolitische Lage Sri Lankas aussah. „Generell rät das Auswärtige Amt von Reisen nach Sri Lanka ab“ las ich. Klingt super. Ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht, was mich am Ende davon überzeugt hat, nach Sri Lanka zu reisen, weil viele Dinge dagegen gesprochen haben. Inklusive einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und besorgter Eltern. Vielleicht war es der Name der Insel, der, wenn man ihn übersetzt, sehr verheißungsvoll klingt - Perle im indischen Ozean.


Perlensuche


Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Land am liebsten mit Workaway bereise - sie sollten mich langsam sponsern. Also schaute ich mich in der App nach coolen Hosts um, wobei ich bereits im Voraus wusste, dass ich besonders gern in einem Hostel arbeiten möchte - ich hatte ein wenig Bammel davor, mich in Sri Lanka allein zu fühlen und wollte direkt Anschluss finden. Ich fand ein Surf und Party Hostel im Süden Sri Lankas, was super ansprechend klang. Das Praktische bei Workaway ist, dass man sich immer das Feedback der bisherigen Volontäre zu dem jeweiligen Host durchlesen kann, was enorm hilfreich ist, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Das Hostel hatte jedenfalls durchweg Top Feedback, was mich nicht mehr zweifeln lies, dass ich die Perle Sri Lankas gefunden hatte. Tatsächlich sagte ich mir: dieser Host oder keiner. Sehr optimistisch schrieb ich tatsächlich nur dieses Hostel an und dachte mir, wenn es dort nichts werden sollte, werde ich einfach auf eigene Faust Sri Lanka bereisen - ohne Workaway. Aber mein Bauchgefühl hatte sich nicht getäuscht. Einen Tag später antwortete mir Gee, der Besitzer des Hostels, und wir hatten einen sehr unterhaltsamen Video Call, wo er mir verklickerte, dass jeden Tag ein Event ansteht und gefeiert wird. Sein Slogan war „Stay the fuck alive.“ Das war definitiv eine Ansage! Gee sagte mir direkt einen Platz für einen Monat zu und meinte, dass ich ab Ende Oktober für einen Monat im Yoyo Surf Hostel arbeiten könnte. Ich hatte so ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache, dass ich gar keine Zweifel mehr wegen der Reisewarnung oder Sonstigem hatte. Jetzt hieß es Visum beantragen, Rucksack packen, Flug buchen.


Wer aktuell ein Visum für Sri Lanka beantragen will, der kann das auf dieser Website tun. Besonders attraktiv ist, dass man zurzeit für ein 180-Tage-Visum denselben Preis zahlt wie für ein 30-Tages-Visum. Viele Touristen sind leider durch die Nachrichtenerstattung sehr zurückhaltend, was die Reiseplanung nach Sri Lanka angeht. Mit dieser Maßnahme möchte das Land die Touristen wieder auf die Insel holen. Wer also mal eben ein halbes Jahr Zeit hat - Tasche packen und los gehts!

Ein Abschied auf unbestimmte Zeit


Da Sri Lanka der Startschuss für meine bevorstehende Weiterreise nach Neuseeland und weitere, bisher undefinierte Reiseziele war, musste ich besonders gewissenhaft meinen Rucksack packen. Sommer, Winter, Party, Wandern - an alles musste gedacht werden. Die Reise plante ich von Deutschland aus. Zwei Wochen verbrachte ich dafür bei meinen Eltern und um auf Nummer sicherzugehen, dass ich mit einer hohen Antivirenlast meine Reise antreten konnte, wurde ich kurz vor meiner Abreise mit Corona beschenkt. Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie. Ich versuchte es positiv zu sehen, wortwörtlich. Immerhin musste ich mir somit weniger Gedanken machen, dass ich in einem fremden Land mit Glieder- und Kopfschmerzen, Husten und Schnupfen flachliegen würde. Also eigentlich hätte das Timing nicht besser sein können. Zumal ich pünktlich zum Abflug am 25.10.2022 wieder fit war. Gemeinsam mit Mama, Papa und Jonny, meinem Abschiedskomitee, fuhr ich nach Frankfurt zum Flughafen. Jetzt wurde es ernst und ein sehr nervöses Bauchgefühl machte sich breit. Ich war wirklich dankbar, dass ich drei tolle Menschen bei mir hatten, die mich bis zum Securitycheck begleiteten.

Der Abschied fiel schwer und fühlte sich unwirklich an, ich war sehr emotional, doch gleichzeitig konnte ich die Tragweite der Situation nicht begreifen und in dem Moment nichts sagen, was der Situation angemessen gewesen wäre. Wie lange würde ich sie nicht mehr sehen? Ich wusste es nicht. Es war ein Abschied auf unbestimmte Zeit. Meine Reise auf unbestimmte Zeit begann jetzt und ich fühlte mich plötzlich ganz leer und fremdgesteuert, als ich den Securitycheck passierte. Acht Stunden später fand ich mich am Flughafen in Bengaluru in Indien wieder. Zwei Stunden hatte ich Zeit zum umsteigen. Glücklicherweise wurde mein Gepäck von der Fluggesellschaft durchgecheckt, darum musste ich mir also keine Gedanken machen. Außerdem wurde ich direkt beim Hinausspazieren aus dem Flugzeug von einer netten indischen Dame aufgegabelt, die alle Umsteigenden Passagiere nach Sri Lanka abfing und zum Flieger brachte. Mit so viel Komfort hatte ich nicht gerechnet. Das lief ja wie am Schnürchen. Einen 2-Stunden-Flug später war ich in Colombo angekommen, der Hauptstadt Sri Lankas. Übermüdet lief ich zum Gepäckband, um meinen Rucksack einzusammeln. Quizfrage: was ich das Worst Case Szenario, was dir am Flughafen in einem wildfremden Land passieren kann? Genau, dein Gepäck kommt abhanden. Und was ist mir in Sri Lanka passiert? Genau, mein Gepäck ist abhandengekommen. Seltsamerweise war ich trotz der weniger erfreulichen Neuigkeit sehr gelassen und ruhig. Geradezu beunruhigend ruhig. Lag wohl an meinem übermüdeten Zustand, der das Ganze nicht verarbeiten konnte. Das Gute war, dass mein Schwager mir zum Abschied einen AirTag geschenkt hatte - also ein kleines Ortungsgerät, was ich in meinen Rucksack gepackt hatte und diesen so jederzeit orten konnte. Meinem findigen Schwager und der deutschen Gewissenhaftigkeit sei Dank, denn so konnte ich einfach in die App schauen, wo sich mein Rucksack aktuell befand. Wie sich herausstellte in Bengaluru am Flughafen. Das ist natürlich ein Stückchen entfernt. Ich erfuhr, dass es die Fluggesellschaft in Indien verpatzt hatte, die Gepäckstücke aller Fluggäste einzusacken, die in Bengaluru umgestiegen sind. Somit hingen 20 Touris in Colombo am Flughafen am Infoschalter fest, um gefühlt 50 Seiten an Papierkram auszufüllen und herauszufinden, wann ihr Gepäck nachreisen würde. Hinter mir in der Schlange befand sich eine seeeehr nervöse und aufgebrachte deutsche Großfamilie, die ihren sorglosen All-Inclusive-Urlaub auf Sri Lanka bereits dahinsiechen sah. Dem Englischen kaum mächtig, fragten sie mich kurzerhand, ob ich als Dolmetscher fungieren könnte. Gleichzeitig versuchte ich sie zu beruhigen und zeigte ihnen in meiner App, wo sich unser Gepäck gerade befand. Ich fühlte mich äußerst gut ausgestattet. Der Plan eines Beruhigungsversuches ging nur so halb auf, da ich von nun an alle fünf Minuten gefragt wurde, ob ich noch mal nachgucken könnte, wo sich das Gepäck nun befand. Auch nach drei Stunden Wartezeit immer noch in Bengaluru.


Willkommen auf Sri Lanka


Nachdem ich das komplette Pamphlet an Unterlagen ausgefüllt hatte, konnte ich etwas durchatmen. Beinahe. Denn ich wurde beim Verlassen des Flughafens von einer Dunstwolke fast erschlagen. Die Luftfeuchtigkeit war unglaublich hoch, sodass sogar die Fensterscheiben des Gebäudes beschlugen. Ein Singhalese, den ich auf dem Flug von Indien nach Sri Lanka kennengelernt hatte, bot mir an, mich mit nach Hikkaduwa zu nehmen. Ein glücklicher Zufall, denn Hikkaduwa sollte mein ersten Stop auf der Insel sein. Hier wollte ich lediglich drei Nächte verbringen, um meinen Jet Lag auszukurieren, bis ich weiter in den Süden zum YoYo Hostel nach Ahangama fahren würde. Ich nahm dankend an. Er wurde von zwei seiner Freunde abgeholt und so fuhren wir zu viert über die Autobahn in Richtung Hikkaduwa - einem kleinen Küstenort im Westen. Anfangs etwas besorgt wegen des trubeligen Verkehrs auf den Straßen Sri Lanka, konnte ich mich bereits nach wenigen Minuten beruhigen. Auf der Autobahn war ungefähr so viel los wie in den deutschen Städten zu Zeiten Coronas - gar nichts. Das größte Hindernis stellten Leguane dar, die es sich alle paar Kilometer auf der Straße bequem gemacht hatten. Ich war ganz fasziniert von den Tieren und dem Dschungel, der sich links und rechts auftat. Ganz zur Belustigung der Jungs, für die es das Normalste der Welt war. In Hikkaduwa musste ich mich erst mal neu einkleiden, da mein Gepäck noch auf sich warten lies. Vor allem bei der hohen Luftfeuchtigkeit brauchte ich ein paar Wechselklamotten. Eine bessere Ausrede zum Shoppen hatte ich noch nie. Ich holte mir ein lässiges Hemd und ein paar Flip Flips. Besonders die Hemden mit ihren bunten Mustern hatten es mir angetan und im Laufe meiner Zeit auf Sri Lanka sollte ich 10 Stück davon anhäufen. Mit 3-4 Euro waren sie einfach unschlagbar günstig und am besten für die Hitze geeignet. Den Großteil der Hemden schickte ich aber nach Deutschland an Freunde und Familie. Sie sollten auch ein wenig Sri Lanka Feeling bekommen.

Nachdem ich zwei Nächte in einem Hostel in Hikkaduwa genächtigt hatte und mein Rucksack nach wie vor unauffindbar war, klopfte es in der dritten Nacht um 2 Uhr morgens an der Tür. Da ich allein in meinem Zimmer war, schreckte ich auf und guckte durchs Fenster, wo ich einen Mann mit meinem Rucksack stehen sah. Ich war aufgrund der Uhrzeit sehr verwirrt. Was tut ein wildfremder Mann mitten in der Nacht mit meinem Rucksack hier? Ich öffnete vorsichtig die Tür und noch ehe ich etwas sagen konnte, drängte der Mann sich in mein Zimmer und fragte mich, ob das mein Rucksack sei. Ich bejahte, freute mich über die Wiedervereinigung mit meinem Rucksack, gleichzeitig beschlich mich ein sehr ungutes Gefühl, was den fremden Mann in meinem Zimmer betraf. Ich sollte recht behalten. Nachdem er mir meinen Rucksack ausgehändigt hatte, wurde es sehr creepy. „You got beautiful feet, they are so pale.“ Sagte er. „Eeeeh, excuse me?“ Ich dachte mich verhört zu haben. Doch er setzte noch eins drauf: „Madam, you gut beautiful feet. Can I kiss them?“ Wow, was zum Teufel ging hier ab?! Ich bekam richtig Angst. Der Mann wirkte absolut nicht vertrauenserweckend, aber ich gab mir Mühe, mich zusammenzunehmen und forderte ihn auf zu gehen und schob ihn mehr oder weniger aus meinem Zimmer. Dem ging er glücklicherweise nach. Dennoch pochte mein Herz die ganze Nacht wie wild und ich hatte ständig Angst, er würde wiederkommen. So viel zu der Geschichte, wie ich meinen Rucksack wiedererlangte.


Nach einer sehr kurzen Nacht brach ich in Richtung Süden auf. Es war Zeit zum YoYo Hostel nach Ahangama zu fahren. Das Verkehrsmittel meiner Wahl: der Zug. Viele Touris schwärmten von den alten Zügen, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h durch das Land tuckerten. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Also kaufte ich mir ein Ticket für umgerechnet 50 Cent und machte mich auf die 2-Stündige Fahrt gefasst. Mir wurde erklärt, an welchen Bahnsteig ich warten solle. Ich wartete. Und wartete. Mit 40 Minuten Verspätung trudelte der Zug ein. Jedoch auf dem gegenüberliegenden Bahngleis. Mist. Ich hatte keine andere Wahl als spontan vom Bahngleis einen halben Meter hinunterzuhüpfen (leichter gesagt als getan mit 20 kg Gepäck) und über die Schienen zum gegenüberliegenden Zug zu rennen. Da ich ständig auf den Schotter umknickte, war es vielleicht eher ein Humpeln. Die Singhalesen konnten kaum glauben, was sie sahen, zumindest wurde meine Mission mit lauten Rufen der am Gleis stehenden Masse kommentiert oder vielleicht feuerten sie mich an? Ich erreichte meinen Zug eine Millisekunde, bevor er losfuhr und wurde von unzähligen Händen in den Zug hochgezogen. Ohne Hilfe hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft, den halben Höhenmeter mitsamt meines Gepäcks zu bewältigen und mich in den anrollenden Zug zu Hiefen. Ganz ehrlich, die Szene war filmreif. Ich bedankte mich bei allen und wollte mir schon eine Sitzgelegenheit suchen, doch sah ich vor lauter Köpfen keine Plätze.

Der ganze Zug war völlig überfüllt. Ich konnte kaum meinen Rucksack absetzen, so eng standen alle beieinander. Das Absetzen war auch nur mit der Hilfe anderer möglich. Ich musste sehr schmunzeln, als ich sah, dass weder Türen noch Fenster bei voller Fahrt geschlossen wurden. Ganz im Gegenteil. Die Leute lehnten sich aus dem Zug hinaus, dass man Angst haben musste, einer kippt gleich über. Innerlich leuchteten meine deutschen Alarmglocken auf - Sicherheitsstandards? Hygienebestimmungen? Doch ich musste die ganze Fahrt über unentwegt lächeln, weil diese Zugfahrt mit den freundlichen Leuten und der wunderschönen, an mir vorbeiziehenden Landschaft so besonders war. Eben weil es mir bewusst machte: Ich bin nicht mehr in Europa.

Party Party Party und klägliche Surfversuche


Völlig verklatscht und immer noch müde kam ich pünktlich zum Halloweenabend im YoYo Hostel an. Gee holte mich von der Bahn ab und mit seinen lustigen Locken und seiner lockeren Art war er mir direkt sympathisch. Es war fast wie das Wiedersehen mit einem guten Freund, den man schon lange nicht mehr gesehen hatte. Nur, dass wir uns natürlich so gut wie gar nicht kannten. Das Hostel lag in dem kleinen Ort Ahangama, einem Surfspot im Süden.

Kaum hatte ich meinen Rucksack in meinem Zimmer abgestellt, hieß es: Abfahrt in 30 Minuten - heute Abend wird Halloween gefeiert. Also gut. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass ich in ein Partyhostel komme, aber mit so einer Feuertaufe hatte ich nicht gerechnet. Es blieb gerade noch genug Zeit, um zu duschen und um die andere Volontärin Jenny aus Deutschland kennenzulernen. Mit ihr würde ich für eine Woche das Zimmer teilen. Anschließend würde sie weiterreisen und neue Volontäre sollten nachkommen. Das Zimmer bestand übrigens aus drei Doppelstockbetten und war sehr spartanisch eingerichtet, aber sauber. Das ganze Hostel machte einen sehr freundlichen ersten Eindruck auf mich und ich fühlte mich direkt willkommen. Vor allem die Cousins von Gee, Ian und Kozy, die fester Bestandteil des Teams waren, schloss ich direkt in mein Herz, so unglaublich lieb waren sie. Die Halloweenparty fand in einem anderen Hostel namens WHY NOT statt. Kaum hatten wir die Türschwelle überschritten, wurde mir ein Biertrichter in die Hand gedrückt. So schnell konnte ich gar nicht gucken.

Ich liiiiebe Bier. Nicht. Aber ich tat mein bestes, um mitzuhalten und war von meiner eigenen Leistung sehr überrascht. Das Bier war nach ein paar Zügen weg. Schwups. Etliche Trinkspiele später waren alle Leute gut angepegelt. Einer wurde in den Pool geschmissen, andere tanzten auf dem Bartresen. Und als ich dachte, die Party wäre vorbei, hieß es: Auf gehts zur Afterparty! 20 Leute stiegen in TukTuks, die lustigen kleinen Taxis. Die nächste Partylocation: eine Strandbar. Ich war richtig überwältigt, wie schnell ich in die Gruppe integriert wurde und wie unwirklich sich das Ganze anfühlte. Ich war einfach auf Sri Lanka bei einer Beachparty und hatte nach nur wenigen Stunden schon die Zeit meines Lebens. Ich freute mich auf jeden Fall auf das, was noch kommen sollte. Auch wenn ich an dem Abend mein Handy noch ins Wasser fallen lies und ich anschließend für eine Woche lang Probleme beim Aufladen meines Handys hatte.


Am nächsten Morgen erklärte mir ein leicht verkaterter Gee, was überhaupt meine Aufgabe im Hostel für die nächsten vier Wochen sei. Ich würde mich um die Check-ins und Check-outs kümmern und das Frühstück vorbereiten. Aber hauptsächlich war meine Aufgabe: Feiern mit den Gästen. Kein Witz. Er nannte es galant Social Host. Da ich eh hier war, um eine gute Zeit zu haben, war ich mehr als angetan von meiner neuen Rolle. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft hatten wir ganze zwei Gäste im Hostel - die Arbeit hielt sich also in Grenzen. Die geringe Gästeanzahl lag an der Nebensaison, in der wir uns befanden. Die Hauptsaison geht in Sri Lanka erst ab Ende November los. Wir hatten also viel Zeit, um allerlei Ausflüge als Gruppe zu unternehmen. Was ich besonders entspannt fand, dass sowohl der Chef (Gee), die Volontäre als auch alle Gäste auf einer Augenhöhe waren. Es war einfach wie eine große Familie. So nannte es Gee auch stets. Wenn er wüsste, dass ich ihn gerade als Chef betitelt habe, würde er mir den Kopf abreißen - er war für jeden einfach ein Bro. Kein einziger Tag in dem Hostel hat sich für mich wie Arbeit angefühlt.

Durchgeplantes Partyprogramm.

Nach meiner ersten Woche hatte ich mich bereits super im Hostel eingelebt. Und als schließlich die neuen Volontäre kamen, wurde es noch besser. Zum einen Marte aus Deutschland und zum anderen Stu aus Schottland. Wer schon mal in den Genuss des schottischen Akzents gekommen ist, der weiß, dass dieser sogar für Muttersprachler schwer zu verstehen ist. Dementsprechend mied ich die erste Woche jede lange Konversation mit ihm, weil mir es irgendwann unangenehm wurde, zehn mal nachzufragen, was er gerade gesagt hatte. Aber ich gewöhnte mich nach einer gewissen Zeit an den schottischen Akzent und am Ende konnten wir ganze Sätze miteinander austauschen. Jedenfalls waren wir eine sehr gute, lustige Truppe und neben den Partys wollten wir auch mal etwas Neues ausprobieren: surfen. Sri Lanka ist als Surferparadies bekannt und selbst Surfer aus Hawaii kamen zu uns ins Hostel, um die Wellen vor unserer Haustür zu reiten. Das soll doch schon was heißen. Mit den großen Wellen wollten wir es natürlich nicht direkt aufnehmen. Für Marte, Stu und mich ging es zu einem Anfängersurfkurs im Nachbarort Weligama, der für seinen Anfängerstrand bekannt war. Kleine Wellen, seichtes Wasser - genau das richtige für einen Angsthasen wie mich. Meine größte irrationale Angst ist es, von einem Hai aufgefressen zu werden und darum hat es mich ordentlich Überwindung gekostet, an dem Kurs teilzunehmen. Wir starteten in sicheren Gefilden, nämlich am Strand. Nachdem unserer Surflehrer vorgemacht hatte, wie man sich korrekt auf dem Board aufrichtet, sollten wir es ihm nachmachen. Hinlegen, aufstehen, halten. Unzählige Male. Bis wir es seiner Ansicht nach halbwegs konnten und bereit für das Meer waren. Ich betete im Stillen, dass alle Haie bereits gut gefrühstückt hatten. Nach der ersten Surfstunde konnten Marte und ich bereits die ersten Wellen halten - von surfen würde ich noch nicht reden. Zumindest blieben wir für ein paar Sekunden mit fuchtelnden Armen und zitternden Knien auf dem Surfbrett stehen. Bei Stu machte sich währenddessen Frustration breit, für ihn sollte es die letzte Surfstunde sein. Und obwohl Marte und ich einen kleinen Erfolg verzeichnen konnten, so merkten wir, dass wir den ganzen restlichen Tag völlig k. o. in der Ecke lagen und zweifelten, ob Surfen der richtige Sport für uns war. So richtig viel Spaß hatten wir nicht dabei. Ein paar Tage später nahmen wir eine weitere Surfstunde, um zu schauen, ob es uns mehr Freude bereiten würde, doch leider blieb auch hier der Spaß aus. Es war wohl einfach nicht unser Sport. Ich verstehe nach wie vor, weshalb Surfen so eine Faszination ausübt und liebend gern schaue ich den Profis beim Wellenreiten zu, doch lieber vom Strand aus.


Auch wenn wir vielleicht keine Naturtalente waren, was das Surfen anging, so fehlte es uns nicht an der Auswahl weiterer Freizeitaktivitäten. Wie gesagt, die Hauptsaison lies auf sich warten und wir hatten viel Zeit. Angefangen bei Ausflügen zu den Nationalparks und Wasserfällen über das Mitfiebern bei Cricket Spielen bis hin zum gemeinsamen Yoga oder Pamela Reif Workout Sessions. Wir verbrachten gemeinsame Kochabende unter Anleitung eines Singhalesen oder genossen Sonnenuntergänge mit melodischen Gitarrenklängen, während Glühwürmchen um uns herumtanzten. Ein weiteres Highlight war das Mopedfahren. Nachdem ich zwei Wochen lang bei anderen Backpackern auf dem Rücksitz mitgefahren war, fühlte ich mich dem Linksverkehr gewachsen. Ich lieh mir dauerhaft einen Scooty, wie die Einheimischen ihre Mopeds nannten, aus und mischte mich in das hupende Treiben. Wir cruisten von Strand zu Strand und das machte richtig viel Spaß. Wenn wir mal nicht den Scooty nahmen, so gab es immer noch die Option, in den Bus zu steigen. Der Bus ist wirklich ein Erlebnis und das sollte man sich ebenso wie die Bahnfahrt nicht entgehen lassen. Bunt verziert und mit lauter Musik preschen sie über die Landstraßen. Gefahren wird nach dem Motto „wer bremst, verliert“ und nicht umsonst tragen sie den Spitznamen crazy buses. Ruckartiges Ausweichen, plötzliche Bremsvorgänge, unnötiges Beschleunigen, knappe Überholmanöver - es war jedes Mal eine kleine Achterbahnfahrt. Nur ohne Anschnallgurt. Allen Harry-Potter-Fans ist der Fahrende Ritter sicherlich ein Begriff - diese Fahrweise trifft es so ziemlich genau. Das Leben in Sri Lanka tat mir gut. Ich glaube, für dieses Land wurde der Kalenderspruch good vibes only erfunden. Niemand lies sich stressen und das färbte auf alle Menschen ab, ob Einheimische oder Touristen.



Must Sees und Highlights


Neben der ausgeprägten Partyszene und atemberaubenden Sonnenuntergängen hat Sri Lanka natürlich noch vieles mehr zu bieten.


Hier ein paar meiner Lieblingsspots im Süden:


Turtle Beach: Eines Nachmittags verirrten sich Marte und ich an diesen Strandabschnitt im Süden. Nichtsahnend, dass er als Turtle Beach bekannt ist, schwammen wir fröhlich drauf los und konnten unseren Augen kaum glauben, als wir plötzlich eine riesengroße Meeresschildkröte neben uns auftauchen sahen. Ein unvergessliches Erlebnis! Bonus: Sich mit einer Seilschaukel in den Sonnenuntergang schwingen.


Coconut Tree Hill: Einer der wohl meist fotografierten Spots im Süden ist der Coconut Tree Hill. Nicht ohne Grund. Der rote Erdhügel, bewachsen mit duzenden ellenlangen Palmen, bietet eine umwerfende Kulisse. Wenn man die vielen Influencer ausblendet, die zur Stunde des Sonnenuntergangs mit ihren Kameras angereist kommen, ist es ein wunderschöner Ort zum Chillen.


Weligama: Für Surffrischlinge bietet die Küstenstadt Weligama die perfekten Gegebenheiten - seichtes Wasser mit kleinen Wellen. Kein Wunder, dass sich an dem Strand eine Surfschule an die andere reiht. Außerdem ist Weligama für seine einwöchigen Surf Camps / Surf Retreats bekannt. Viele Surfcamps in Weligama bieten mit Yoga- und Surfkursen sowie einer Vollverpflegung das Komplettprogramm an. Für Surfinteressierte definitiv zu empfehlen!


Hiriketiya: Das kleine, abgelegene Städtchen an der Südküste wurde bisher als Geheimtipp für Profisurfer gehandelt. Jedoch erfreut sich der Ort auch außerhalb der Surfszene einer wachsenden Beliebtheit - viele neue Bars, Restaurants und Hostels heißen Touristen bei sich willkommen. Vor allem der ellenlange Strand mit dem wohl schönsten Sonnenuntergang, den ich je gesehen habe, sollte man sich nicht entgehen lassen. Und auf alle Fälle den besten Schoko-Roti der Insel in der Sunset Bar essen.


YoYo Surf Hostel: Ok, ok, ich weiß - ich wiederhole mich. Doch ich konnte das YoYo Surf Hostel in meiner Aufzählung der Highlights im Süden nicht unerwähnt lassen. Wenn ich einen Tipp für alle Backpacker habe, die nach Sri Lanka kommen und den Süden bereisen, dann ist es dieser Ort. Während meiner gesamten vier Wochen haben fast alle Gäste ihren Aufenthalt dort entweder verlängert, sind nochmals wiedergekehrt oder sind nach wie vor dort (Kein Scherz). Es ist das herzlichste, sozialste und gleichzeitig süffigste Hostel, in dem ich je war. Große Umarmung an Gee, Ian und Kozy!


Café Maria Bonita: Das moderne Café im Herzen Ahangamas sollte man auf seiner Reise im Süden nicht auslassen. Besonders, wenn man wie ich großer Fan der superleckeren Smoothie Bowles ist. Glaubt mir, ich habe sie alle probiert - und bin immer wieder zu der Vitamin Me Bowl von Maria Bonita zurückgekommen.


Yala-Nationalpark: Der wohl bekannteste Nationalpark Sri Lankas ist der Yala-Nationalpark. Das hat seinen guten Grund, denn die Wahrscheinlichkeit, bei einer Safari hier einen Leoparden zu erspähen, ist recht hoch. Zumindest hatte ich das große Glück, als ich einen Tagesausflug gemeinsam mit dem Hostel in den Park machte. Insgesamt sahen wir gleich drei der anmutigen Tiere - ein unvergessliches Erlebnis!


Lieblingsspots im Landesinnern:


Ella: Während ich im Süden Sri Lankas mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen hatte, so konnte ich in Ella im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen - angenehme Temperaturen mit geringer Luftfeuchtigkeit kamen mir sehr gelegen. Außerdem befindet sich versteckt im Dschungel die legendäre nine arches bridge - ein Mini-Fußmarsch vom Zentrum von Ella entfernt. Die beeindruckende 30 Meter hohe Eisenbahnbrücke wird nach wie vor von Zügen genutzt und ist somit besonders bei Trainspottern beliebt.


Zugfahrt: Ein weiteres absolutes Highlight meiner Reise durch die Mitte des Landes waren die atemberaubenden Zugfahrten. Besonders die Fahrt in den alten, charmanten Zügen von Ella nach Nuwara Eliya, wo man an grünen Teeplantagen vorbeituckerte und in die wolkenbehangenen Berge hineinfuhr, war ein Erlebnis, welches ich absolut nicht missen möchte. Bonus: Gute Chancen auf freie Sitzplatzauswahl.


Nuwara Eliya: Achtung, Pullover auspacken! Tatsächlich war Nuwara Eliya der einzige Ort in Sri Lanka, in dem ich nachts gefroren habe - wer hätte das gedacht. Die Stadt ist für seine umliegenden Teefabriken wie der Damro Tee Factory bekannt. Eine Führung durch die Fabrik sowie eine kleine Teeverkostung gibt es gratis. Die beste Unterkunft der Stadt ist übrigens das Laughing Leopard - geführt wird das Hostel von einem Haufen verrückter Jungs, die für jedes Trinkspiel zu haben sind. Sehr unterhaltsam, sehr zu empfehlen.


Sigiriya: Wenn man im Herzen Sri Lankas ist, sollte man sich eine Übernachtung in Roys Villa nicht entgehen lassen - ein familiäres Hostel mit viel Privatsphäre, den gemütlichsten Betten und gemeinsamen Kochabenden. Außerdem kann man von der Location aus hervorragend den Sunrise Hike auf den legendären Pidurangala Rock machen. Früh aufstehen lohnt sich und die Wanderung hält sich mit 30 Minuten in Grenzen. Man wird mit einem wirklich atemberaubenden Ausblick belohnt und die zahlreichen Affen freuen sich für die Touristen zu posen. Aber Achtung: Kamera und Rucksack gut festhalten!


Auf bald


Sri Lanka - so unerwartet, so wunderschön! Ich glaube, da ich an Sri Lanka die wenigsten Erwartungen hatte, hat es mich umso mehr fasziniert. Auch wenn ich bereits mit 4.700 Worten probiert habe, meine Erfahrungen in dem Land zusammenzufassen, so ist es für mich eigentlich unmöglich zu beschreiben, wie viel mir diese fünf Wochen auf der Insel bedeutet haben. Für alle, die sich nach wie vor Sorgen um ihre Sicherheit machen, denen kann ich aus der Perspektive einer alleinreisenden Frau versichern, dass die Lage im Land absolut unbedenklich ist und ich mich abgesehen von einem denkwürdigen Zusammentreffen mit einem Fußfetischisten sehr sicher gefühlt habe. Wann ich nach Sri Lanka zurückkehren werde weiß ich noch nicht. Fest steht aber, dass ich den Tag, an dem mir die schwüle singhalesische Meeresluft um die Nase weht, jetzt schon herbeisehne.

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